Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie hat sich in ihren gut 80 Jahren Entwicklungsgeschichte als unglaublich lern- und wandlungsfähig erwiesen. Ihr zentrales Element aber blieb immer die ganz konkrete Frage, wie, hier und heute, unser Umgang mit uns selbst und anderen unser Leben und Erleben prägt. Ihr Ziel ist das Erlebnis von Selbstwirksamkeit.

Grundgedanken der Verhaltenstherapie

Der Anfang der Verhaltenstherapie lag in einigen grundlegenden Annahmen:

  • Unsere Verhaltensmuster sind (meist schon recht früh im Leben) erlernt. 
  • Wir lernen Verhalten, wenn es zu der Zeit hilft, (besser) zurecht zu kommen.
  • Wie wir mit uns und dem Leben umgehen, beeinflusst wie es uns im Leben geht.
  • Früher erlerntes Verhalten kann heute verlernt und verändert werden.


Die 1. Welle - Behaviorismus

In den frühen Tagen der Verhaltenstherapie dominierte der reine Blick auf das äußere Verhalten, welches in der psychischen Erkrankung das Leben einengt und zu Leiden führt. Ein Mensch mit einer Angsterkrankung schneidet sich durch Vermeidung von vielen Möglichkeiten des Lebens ab. Ein Mensch mit Depression hört im Antriebsmangel auf das Leben zu gestalten. Wieder andere Verhalten sich in Bezug auf Arbeit, Essen, Konsum, Mediennutzung, Beziehungen oder Sexualität in einer Weise, die dem Leben nicht dient. 
Die Verhaltenstherapeuten der ersten Stunde wollten vor allem verstehen:

  • Welche Situationen (innen oder außen) lösen dieses Verhalten aus?
  • Was für eine Lerngeschichte hat das heute ungeeignet erscheinende Verhalten?
  • Was ganz genau ist das Verhalten, welches heute ungeeignet erscheint?
  • Wieso verhält sich der Mensch weiterhin so? Was sind hier und heute die Faktoren, die Verhaltensweisen aufrechterhalten und Veränderung verhindern?


Die 2. Welle - die kognitive Wende

In den 70er Jahren, inspiriert durch den Siegeszug der Computertechnik, begann die Verhaltenstherapie sich den Mustern der Informationsverarbeitung des Menschen zuzuwenden. 

  • Wie hängt die gedankliche Landkarte, die wir uns von uns und der Welt gezeichnet haben mit unserem Erleben und Verhalten zusammen? 
  • Welche logischen (oder auf den zweiten Blick unlogischen) Schlüsse ziehen wir im täglichen Leben auf dem Boden unserer "Kognitionen", unserer Gedanken darüber, wie die Welt (scheinbar) ist?
  • Wie lässt sich unser Denken "umprogrammieren", sodass wir kognitiv zu lebensdienlicheren Schlüssen kommen und uns entsprechend geeigneter Verhalten?


Die 3. Welle - Einbezug von Achtsamkeit auf innere Zustände, Akzeptanz und Werteorientierung

Seit den 90er Jahren wird die Verhaltenstherapie durch diverse Gruppen und Strömungen enorm erweitert und bereichert. Einige Beispiele sind die ACT (Akzeptanz- und Commitmenttherapie), die Schematherapie, die EFT (emotionsfokussierte Therapie), DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie) und diverse andere. Ein enorm wichtiger Beitrag dieser Strömungen ist die Einführung von Achtsamkeit und Akzeptanz für (innere) Erfahrungen in die therapeutische Arbeit. Die Verhaltensthreapie der 1. und 2. Welle hatte sich ja recht einseitig mit Veränderung beschäftigt. Die Essenz der 3. Welle ließe sich vielleicht so zusammenfassen:

  • Finde den Mut, zu verändern, was du ändern kannst,
  • die Kraft zu akzeptieren, was du nicht ändern kannst,
  • die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden...
  • ... und lebe, indem du deinem Herzen (deinen tiefsten Werten) folgst. 

(adaptiert nach dem Gelassenheitsgebet von Reinhold Niebuhr)