Bindungsverletzungen und frühes Trauma - NARM

Wenn Bezugspersonen in den ersten Jahren des Lebens nicht nur Quelle lebensnotwendiger Versorgung sind, sondern auch Quelle von Stress, gerät ein Kind in ein leidvolles Dilemma. Mit den Folgen davon kämpfen Menschen oft bis ins Erwachsenenalter. Für Therapie und Heilung ergeben sich ganz eigene Vorzeichen.

Bindungstrauma und NARM

Wirklich breite Aufmerksamkeit bekam das noch recht junge Konzept der Bindungs- oder Beziehungsverletzung in der Folge der aufsehenerregenden und in vielen Ländern wiederholten ACEs-Studie (adverse childhood experiences) zum Zusammenhang zwischen Erkrankungen und den Beziehungserlebnissen in der (frühen) Kindheit. Viel Forschung folgte.

Die vielfach bestätigte Grundaussage: Wenn wir eine Atmosphäre von (emotionaler) Abwesenheit, (emotionalem) Missbrauch oder (emotionaler) Gewalt erlebt haben, kann das bis ins Erwachsenenalter Auswirkungen darauf haben, wie gesund und glücklich wir zu leben vermögen, welches Bild wir von uns selbst haben und wie wir uns, besonders in Beziehungen, verhalten.

Viele Menschen bemerken, wenn sie sich selbst beobachten, dass sie immer wieder in recht ähnlichen und oft einschränkenden "Mustern" empfinden und handeln und bringen das mit ihrer persönlichen Geschichte in Verbindung.

Aber wie kann das sein? Wie kann eine Atmosphäre, die wir oft schon vor langer Zeit verlassen haben, immer noch Macht darüber haben, wie wir fühlen, handeln und mit uns selbst umgehen - bis dahin, dass wir Symptome entwickeln und manchmal an uns selbst und dem Leben verzweifeln?  Was ist das Bindeglied? Und gibt es Heilung?

Mit seinem NARM (Neuroaffective Relational Model) stellte Dr. Laurence Heller einen Ansatz vor, der ein tiefes Verständnis der psychologischen Folgen früher ungeeigneter Beziehungserfahrungen ermöglicht und gangbare therapeutische Wege weist.

Der NARM-Ansatz geht davon aus, dass es nicht die frühen Erfahrungen selbst sind, die in der Gegenwart Symptome erzeugen, sondern unsere Bewältigungs- oder Überlebensstrategien, die wir damals gelernt haben und die wir bis heute weiter nutzen. Diese Strategien - früher intelligent und passend, um in einer "unpassenden" Situation zurecht zu kommen - können heute oft unflexibel und einschränkend sein und uns daran hindern das Leben zu leben, welches wir uns wünschen.

Da die alten "Muster" oder Strategien ihre ersten Wurzeln meist sehr früh im Leben haben, oft schon vor dem Sprechenlernen, lassen sie sich selten rein kognitiv und sprechend auflösen. Hier sind ein tiefes, erlebendes Begreifen der oft komplexen Zusammenhänge durch Unterstützung neugierigen Erkundens im Hier und Jetzt und eine Herangehensweise, die auch auf der Ebene rein körperlicher Zustände arbeitet, sehr hilfreich.

"Durch das Verständnis unserer Vergangenheit erobern wir unsere Gegenwart zurück und öffnen die Tür zu unserer Zukunft." Laurence Heller, "Entwicklungstrauma Heilen" Kapitel 14

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